Geschlecht: weiblich
Alter: 51-60
Wohnhaft in OF seit: Geburt
(60) Jahren
Im Stadtteil: zwischen
Innenstadt und Rosenhöhe
Mein Name soll genannt werden: Rita Grindl
Es
gibt ein Buch „Offenbach-Liebe auf den zweiten Blick“, wo zeigt sich dieser
zweite Blick? Was macht den Charme der Stadt Offenbach aus?
Während es in meiner Kindheit die unbebauten
Rückzugsmöglichkeiten waren (z.B. Marienkäfer sammeln, dort, wo jetzt auf dem
Odenwaldring der Verkehr fließt, Drachen steigen lassen auf der Lavis-Wiese),
sind es mittlerweile die Vernetzungen mit Menschen und Orten, mit meinem
Arbeitsplatz (meiner Beethovenschule), Offenbacher Kirchen, meinen Begegnungsstätten und
Einkaufmöglichkeiten.
Die Offenbacher Bevölkerung ist bunter geworden, vielfältiger,
eine Herausforderung und oft eine Bereicherung.
Und mit fortschreitendem Alter, wenn ich es zwischenzeitlich mal
schaffe, meinen Schritt zu verlangsamen, ist es ein bewusster Blick auf Details.
Auch das Unterwegssein mit meinen Schul- und Enkelkindern öffnet neue
Sichtweisen.
Außerdem lasse ich mich auch auf OFlovesU-Touren führen und mir teils
unbekannte Winkel unserer Stadt zeigen.
Die Stadt ist im Wandel, Altvertrautes verschwindet zum Teil,
lässt auch Wehmut zurück, während Neues entsteht, was ab und zu
gewöhnungsbedürftig ist.
Hast Du einen Geheimtipp?
Überall, wo ein Stück Natur zu finden ist, fühle ich mich
besonders wohl in OF: Auf Spaziergängen im Wald hinter der Rosenhöhe nach einem
Arbeitstag freue ich mich im Sommer total über Glühwürmchen im Unterholz oder
Fledermäuse über dem Kopf.
Mein Geheimtipp ist ein Eckgarten an der alten
Industriebahntrasse in Höhe des alten Geflügelzuchtvereins. Beim Blick über den
Zaun finde ich hier zu restlos jeder Jahreszeit Vegetation, die mich innehalten
lässt und begeistert.
Dein schönstes Erlebnis in OF?
Das Beste in meiner Jugendzeit waren die Montagabende in der
Gemeinde Dreifaltigkeit, wo Pfr. Scherbaum uns Raum gab für unsere
wöchentlichen Treffen. Hier konnten wir reden, Musik machen, uns finden. Hier
wurden die ersten Jugendgottesdienste vorbereitet, die oft so viele Menschen
anzog, dass die Kirche sie nicht fassen konnte.
Dein schlimmstes Erlebnis in OF?
Mein schlimmstes Erlebnis in OF habe ich aus Mangel an
Orientierungsfähigkeit selbst verursacht. Es ging letztendlich gut aus. Als
etwa 10jährige war ich zum ersten Mal in der Kaiserstraße in Räumlichkeiten von
St. Paul zur Gruppenstunde der Pfadfinder. Auf dem Rückweg (der eigentlich
durch die Kaiserstraße, über den Hauptbahnhof in Richtung Friedrichsweiher
hätte führen müssen) ging ich in die falsche Richtung und landete am Main.
Vollkommen desorientiert stand ich weinend am Fluss, wo mich eine freundliche
Offenbacherin tröstete und sogar dafür sorgte, dass ich nach Hause gebracht
wurde. Immerhin war das Erlebnis Anlass zum Lernprozess, mich
eigenverantwortlich zu orientieren. Den Anstoß gebe ich auch gerne an meine
Schüler weiter.
Wie würdest Du OF in drei Adjektiven
beschreiben?
Vielfältig, herausfordernd, kommunikativ
Fällt Dir ein Slogan für OF ein?
OF loves you, OF loves me, da simmer
debei, da mache mer hie.
Was
würdest Du in OF gerne verändern? Was stört Dich am meisten in OF?
Ich finde belastend, dass die Stadt zu
schnell wächst und dass dadurch auch Anonymität entsteht. Gewachsene
Nachbarschaftsstrukturen gehen verloren, der Wechsel vollzieht sich zuweilen
ohne persönliche Bezüge. Ich wünsche mir, dass z.B. Straßenfeste gefeiert
werden, dass Nachbarn sich bewusst wahrnehmen, dass ein Miteinander entsteht,
dass man sich mit Namen kennt und wertschätzt.
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